Was wir wollen

Im Jahr 1989 forderte der französische Geograph Yves Lacoste, die Geographen sollen ihr professionelles Selbstbewusstsein zurückerobern. Es sei ihnen durch eigenes Handeln oder vielmehr durch eigene Unterlassungen in mehr als 100 Jahren Stück für Stück abhanden gekommen. Lacoste beschreibt in seinem kurzen Aufsatz „Die Geographie, die Praxis und das Politische“ daher eine Wissenschaft im Niedergang. Seien die Geographen und Kartographen traditionell die wichtigsten Berater der mittelalterlichen Fürsten gewesen, haben sie sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem auf die Ausbildung von Erdkundelehrern konzentriert. Was für ein Abstieg!

Geographische Forschung verlor nach Ansicht Lacostes in diesem Zug ihre Bedeutung für die Praxis. Immer weiter habe sich das Fach spezialisiert und verzweigt – und immer weniger Generalisten hervorgebracht, die von den Regierenden und in einer breiten Öffentlichkeit als Experten für das Zeit- und Weltgeschehen gesehen wurden. In diese Rolle seien stattdessen die Historiker und vor allem die Ökonomen geschlüpft. Die Geographie habe sich dagegen in eine Sackgasse manövriert, in der sie nur noch um sich selbst kreise.

Geographen als Projektleiter, Gestalter und Manager

Lacoste fordert als Konsequenz vor allem die Geographen selbst auf, sich wieder auf ihre jahrhundertealte Rolle zu besinnen. Sie sollen ihre Fachzirkel verlassen und sich als geborene Projektleiter, Gestalter und Manager betrachten, die nicht als fachliche Berater ihre Expertise abgeben, sondern wenigstens als Chefberater die Expertise vieler Fächer koordinieren oder noch besser: Sie sollen von den Betriebswirten und Juristen direkt die Chef- und Leitungsposten übernehmen.

Seit Lacoste Polemik vor 25 Jahren hat die Digitalisierung alle Bereiche des Lebens umgestülpt: Arbeit, Wirtschaft, Privatleben und Wissenschaft. Für die Geographie, die Geowissenschaften insgesamt ist das die Chance, Lacostes Aufruf nachzukommen. Die Möglichkeiten, geographische Informationen zu verabeiten, zu analysieren und auch zu visualisieren waren nie größer als heute. Positionierungstechnolgien und Karten sind Alltagswerkzeuge geworden. Geographen können öffentliche Welterklärer und Projektleiter in Wirtschaft und Verwaltung sein, wenn sie die Chef-Rolle nur endlich annehmen.

Die Idee: Ein geographisches Magazin – ähnlich wie ein Wirtschaftsmagazin

Genau daran knüpft die Idee von Geograpy-Matters an. Der Titel sagt es schon: Geographie hat Bedeutung und zwar im umfassenden Sinne für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Alltag. Die Digitalisierung hat ihr endgültig die Instrumente in die Hand gegeben, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Aufgaben besser zu lösen, als es zum Beispiel die Ökonomen allein vermögen. Die Geographen müssen nur wollen.

Geography-Matters erzählt die Geschichten dazu. So wie es Wirtschaftsmagazine für ein breites Publikum gibt, wollen wir ein geographisches Magazin für ein breites Publikum sein.  Überall, wo geographisches und geowissenschaftliches Know-how gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Relevanz findet, werden wir erzählenswerte Geschichten finden, die die Öffentlichkeit interessieren. Die schon von Lacoste kritisch betrachtete wachsende Zahl von Spezial-Disziplinen in den Geowissenschaften ist auch unserer Meinung nach eine Sackgasse, zumindest wenn es um die öffentliche Wahrnehmung geht.

Viele Geo-Disziplinen: Wir betonen das Verbindende

Das bedeutet nicht, die zahlreichen Fachdisziplinen, die sich vor allem in den letzten 100 Jahren herausgebildet haben, zu ignorieren oder in einem Topf zu werfen. Aber bislang sind Geologen und Geographen, Geodäten und Kartographen, Geoinformatiker und Fernerkundler, Hydrologen, Meteorologen und zahlreiche weitere Experten für raumbezogene Fragestellungen aller Art vor allem darauf bedacht, das Trennende ihrer Disziplinen zu betonen. Wir wollen stattdessen das Verbindende betonen und sind daher für viele Themen, Professionen und Fachverbände offen.

Unsere publizistischen Wurzeln in der Geoinformatik werden wir dabei nicht verleugnen können. Themen rund um Geoinformationssysteme, Geodaten, Geodäsie und die bekannten Anwendungsfelder in Verwaltung sowie Ver- und Entsorgungswirtschaft sind unser Anfang. Die Perspektive, mit der wir die Dinge betrachten, wird aber neu sein. Und wir werden mit Geography-Matters weit über diese Themen hinausgehen  – vielleicht sogar bis zu Ihrem Business. Denn wir sind sicher: Geography matters!

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